Abkochgebot - Anleitung & FAQ
Was tun bei einem Abkochgebot? Erfahre hier, wie du Leitungswasser richtig abkochst, worauf du achten musst und erhalte Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Wenn das Gesundheitsamt oder der örtliche Wasserversorger wie beispielsweise die Berliner Wasserbetriebe oder die Stadtwerke München ein Abkochgebot aussprechen, herrscht oft Verunsicherung. Eine solche Anordnung erfolgt immer dann, wenn mikrobiologische Verunreinigungen, insbesondere E. coli oder Enterokokken, im Leitungsnetz nachgewiesen wurden. Um gesundheitliche Risiken durch Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Parasiten zu vermeiden, ist die korrekte Umsetzung der Schutzmaßnahmen lebensnotwendig.
Wann und wie lange muss Trinkwasser abgekocht werden?
Ein Abkochgebot wird erlassen, sobald die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) nicht mehr eingehalten werden können. Dies geschieht häufig nach Starkregenereignissen, Rohrbrüchen oder Baumaßnahmen am Leitungsnetz.
Das Wasser muss einmalig sprudelnd aufkochen. Die früher oft empfohlene Dauer von zehn Minuten ist bei modernen Wasserkochern mit Abschaltautomatik meist nicht mehr nötig, da die Hitzeentwicklung beim Erreichen des Siedepunkts (100 Grad Celsius) ausreicht, um die meisten Krankheitserreger abzutöten. Wichtig ist jedoch, dass das Wasser tatsächlich Blasen wirft. Nach dem Aufkochen sollte das Wasser langsam abkühlen. Um eine Rekontamination zu vermeiden, empfiehlt es sich, das Gefäß abzudecken. Ein Abkochgebot ist rechtlich bindend und bleibt so lange bestehen, bis das Gesundheitsamt nach mehreren negativen Proben offiziell Entwarnung gibt.
Richtige Anwendung im Alltag: Was ist zu beachten?
Während eines Abkochgebots reicht es nicht aus, nur das Wasser zum Trinken vorzubereiten. Viele alltägliche Handgriffe müssen angepasst werden, um Infektionen zu vermeiden:
- Zähneputzen: Verwenden Sie hierfür ausschließlich abgekochtes oder abgefülltes Mineralwasser. Über die Mundschleimhaut oder durch versehentliches Schlucken könnten Keime in den Körper gelangen.
- Lebensmittelzubereitung: Obst, Gemüse und Salat sollten nur mit abgekochtem Wasser gewaschen werden. Für das Kochen von Speisen (Nudeln, Kartoffeln), bei denen das Wasser ohnehin über längere Zeit siedet, ist kein separates Abkochen vorab nötig.
- Eiswürfel: Stellen Sie keine Eiswürfel aus Leitungswasser her. Die Kälte tötet Bakterien nicht ab; sie werden beim Schmelzen im Glas wieder aktiv.
- Körperpflege: Duschen und Baden ist im Regelfall unbedenklich, solange das Wasser nicht getrunken wird und keine offenen Wunden vorliegen. Bei Kleinkindern sollte man besonders vorsichtig sein, da diese beim Baden häufig Wasser verschlucken.
Besondere Vorsicht gilt bei der Zubereitung von Babynahrung. Da das Immunsystem von Säuglingen noch nicht voll entwickelt ist, sollte hier im Zweifelsfall auf stilles Mineralwasser mit dem Zusatz "geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung" ausgewichen werden.
Alternativen und technische Lösungen: Wasserfilter
Wenn das Abkochen im Alltag zu umständlich ist, suchen viele Betroffene nach technischen Alternativen. Handelsübliche Tischkannenfilter (Aktivkohle) bieten in der Regel keinen ausreichenden Schutz gegen mikrobiologische Belastungen wie Bakterien oder Viren.
Ein effektiver Schutz wird nur durch Systeme gewährleistet, die speziell für die Keimrückhaltung zertifiziert sind. Maßgeblich ist hier die Zertifizierung nach dem Standard NSF P231 (Microbiological Water Purifiers). Solche Filter, die oft auf Ultrafiltration oder speziellen Membranverfahren basieren, sind in der Lage, Krankheitserreger physisch aus dem Wasser zu entfernen. Dennoch gilt: Bei einem offiziellen Abkochgebot durch Behörden wie das Umweltbundesamt (UBA) ist den Anweisungen Folge zu leisten, da Filter bei unsachgemäßer Handhabung oder Erschöpfung der Kapazität versagen können.
Lagerung und Haltbarkeit von abgekochtem Wasser
Abgekochtes Wasser ist nicht unbegrenzt haltbar, da es keine Desinfektionsmittel wie Chlor mehr enthält (bzw. dieses verflogen ist) und somit anfällig für neue Keime aus der Umgebungsluft ist.
- Lagerort: Bewahren Sie das Wasser in sauberen, verschlossenen Glas- oder Edelstahlbehältern im Kühlschrank auf.
- Dauer: Im Kühlschrank sollte das Wasser innerhalb von 24 Stunden verbraucht werden.
- Zimmertemperatur: Bei Lagerung außerhalb des Kühlschranks reduziert sich die Haltbarkeit auf wenige Stunden.
FAQ - Häufig gestellte Fragen
Kann ich die Kaffeemaschine weiterhin normal nutzen?
Herkömmliche Kaffeemaschinen erreichen oft nicht die notwendige Temperatur über einen ausreichend langen Zeitraum, um alle Keime sicher abzutöten. Es wird empfohlen, den Kaffee mit bereits abgekochtem Wasser aufzubrühen oder auf die Nutzung zu verzichten, es sei denn, die Maschine garantiert eine Temperatur von über 85 Grad Celsius direkt am Auslauf.
Ist das Wasser für Haustiere gefährlich?
Auch Haustiere können empfindlich auf Verunreinigungen reagieren. Hunde, Katzen und insbesondere Kleintiere wie Kaninchen sollten während eines Abkochgebots ebenfalls nur abgekochtes oder stilles Mineralwasser erhalten.
Reicht ein einfacher Wasserfilter aus dem Supermarkt?
Nein. Die meisten Standard-Filterkartuschen sind für die Reduktion von Kalk und Chlor ausgelegt, nicht für die Entfernung von Bakterien oder Viren. Nur Filter mit einer Porengröße von weniger als 0,2 Mikrometern (Ultrafiltration) oder einer expliziten Zertifizierung nach NSF P231 sind mikrobiologisch sicher.
Was mache ich mit der Spülmaschine?
Moderne Spülmaschinen im Intensivprogramm (mindestens 60 Grad Celsius, besser 65-70 Grad Celsius) töten die meisten Keime ab. Das Geschirr sollte im Anschluss vollständig trocknen. Bei niedrigen Temperaturen oder Kurzprogrammen besteht ein Restrisiko.
Fazit
Ein Abkochgebot ist eine ernstzunehmende Präventionsmaßnahme zum Schutz der öffentlichen Gesundheit. Auch wenn die Umsetzung im Haushalt zunächst mühsam erscheint, verhindert das konsequente Abkochen von Trinkwasser schwere Magen-Darm-Erkrankungen. Achten Sie auf die offiziellen Bekanntmachungen Ihrer Gemeinde und nutzen Sie im Zweifelsfall abgefülltes Wasser für die empfindlichsten Bereiche wie das Zähneputzen und die Babynahrung. Technische Lösungen wie zertifizierte Filter bieten langfristig Sicherheit, ersetzen jedoch im akuten Krisenfall nicht die Wachsamkeit gegenüber behördlichen Anordnungen.
